Diese Seite ist das Archiv einiger Glossen und Anmerkungen zum Tagesgeschen. Viele meiner (satirischen) Überlegungen bleiben aktuell.

 (ck 11/08) Alles Klar

Der Fall Klar ist sicherlich einer der schwersten, mit dem man sich gedanklich beschäftigen kann, um sich eine Meinung - gleich welchem politischen Glauben, so noch ein Rest davon verblieben ist, man frönt.
Ich bin ein Gegner jeder Gewaltanwendung. Die Errungenschaften eines Rechtsstaates sind mir heilig, wenn ich auch gelegentliche Zweifel hege.
Und die besagen mir: Klar kann nicht anders behandelt werden als jeder andere Verurteilte auch. Klar hat Schuld auf sich geladen, kein Zweifel. Wie er heute darüber denkt - es wird von außen immer von fehlender Reue gesprochen -, lässt er im Ungewissen. Ich täte es auch, wollte nicht den Medien zum Fraß vorgeworfen werden - vielleicht in einer Talkshow bei Kerner zusammen mit Pocher und Lafer. Daher steht für mich fest: Klar musste nach Verbüßung seiner Strafe jetzt auf freien Fuß gesetzt werden, wie es bei jedem anderen auch geschehen wäre. Punktum.
Und in diesem Zusammenhang kann ich nur erneut fragen, selbst wenn der Vergleich hinken mag: Wann endlich werden Wirtschaftsverbrecher, die ungezählte Menschen um ihr Erspartes, um ihre Jobs bringen, sie ins Unglück stürzen, bis hin zum Suizid, angemessen dafür bestraft? Ich empfinde es nicht als angemessen, diesen Leuten eine Geldstrafe, die sie aus ihrer Portokasse bezahlen, aufzubrummen. Sie gehören hinter Schloss und Riegel, lange, und ohne Fernsehen und Mittagsessen von Käfer, wie auch Vergewaltiger, Kinderschänder usw.! Und sie dürfen dann meinetwegen auch nach Abbüßung ihrer Strafe wie jeder andere Verbrecher noch einmal frische

(ck 10/08) Gefallen für wen, gefallen für was?

„Stell dir mal vor, es gebe Krieg, und keiner geht hin …?“, fragten sich einst die Blumenkinder und begannen sich vehement und erstmals in der Geschichte gegen die Kriegstreiber unseres Planeten aufzulehnen. Erfreulicherweise haben sie in vielen Ländern Erfolg gehabt, auch ich habe mich mit Erfolg geweigert.
   Ein hundertprozentiger Erfolg konnte jedoch nicht erwartet werden, weil Menschen eben Menschen sind, und das Rumhantieren mit todbringenden Spielzeugen offensichtlich in ihren Genen liegt. Auch scheinen die Regierenden mancher Nationen – zur Stützung der Waffenindustrie – nicht von Kriegsspielen abzubringen sein, wobei das Wort Krieg inzwischen durch Friedensstiftung o. ä. ersetzt wurde. Allerdings ist damit meistens die Wahrung wirtschaftlicher Interessen gemeint.
   Deutschland ist – trotz seiner Geschichte - vor solchen Missionen auch nicht gefeit, als unkritischer Vasall der fried- und ölliebenden Amerikaner. Trotz nicht gerade bester Erfahrungen in der jüngeren Geschichte mit hegemoniesüchtigen Feldherren wie Wilhelm II und Adolf I werden wieder Soldaten losgeschickt, um real mit ihren Waffensystemen zu trainieren, aber auswärts wie z. B. auf dem Balkan, dessen Völkervielfalt und Kultur ein friedliches Nebeneinander ausschließt, und besonders Afghanistan, ein unregierbares Völkergemisch aus Clans, dass von der Politik eigens zu diesem Behuf zur deutschen Ostgrenze erklärt wurde.
   Ich frage mich, wie können Bundestag, Regierung und Generalität nur einen halbwegs intelligenten Menschen (Soldaten) überzeugen, friedensstiftend in Afghanistan tätig zu werden, was im Sprachgebrauch bisher Einsatz hieß, um das schmutzige Wort Krieg, der dort herrscht, wenn auch Partisanenkrieg, nicht in den Mund nehmen zu müssen?
   Wahrscheinlich wird den Soldaten vorgegaukelt, dort ein paar Wochen Abenteuerurlaub zu verbringen, in einer Landschaft karg wie die Lavafelder Lanzarotes oder Islands, aber mit uneinnehmbaren Bergen, hinter deren Felsen sich tief vermummte Gestalten, mal Freunde, meistens Feinde, aber auf jeden Fall schwer bewaffnet, verstecken.
   Afghanistan ist spannender als ein Dschungel-Camp wird wahrscheinlich in der Vorbereitung, falls es eine gibt, verkündet. Ihr lernt dort Zick-Zack-Laufen zwischen Tausenden von Minen (Schickt besser Kinder vor, die fliegen höher!), und ihr habt immer jemanden im Rücken, meistens einen Taliban. Auf dem Rückflug nach Deutschland liegt ihr meistens bequem – in einem Zinksarg.
   Bisher war’s ein Einsatz, sagte die Regierung. Nun hat sich jemand verplappert. Als mal wieder zwei tote Jünglinge zu Grabe getragen wurden, so richtig pompös mit Fahnen und Hymnen und saublöden Reden, benutzte Verteidigungsminister Jung (Wen oder was verteidigt er eigentlich?), dieser Koch-Abklatsch, den Terminus „gefallen für …“
  Jetzt wissen wir’s endlich! Fallen kann der Soldat nur im Krieg, ergo sind die Afghanistan-Urlauber im Krieg und nirgendwo anders!
Wollen wir das? 80 % der Deutschen ist gegen den Einsatz dort, aber die Mehrheit des Bundestags will Krieg spielen, ohne dafür ein Mandat zu besitzen.


Freunde, wählt bei der nächsten Wahl nur Kandidaten, die dieser Sinnlosigkeit endlich ein Ende bereiten!
(ck 11/08) Adveniat

Vor Weihnachten ist immer und wieder die Zeit, in der Hilfsorganisationen aller Art, vor allem auch die Kirchen, die Menschen allgemein und vor allem die Gläubigen zu Spenden aufrufen, um Hilfsbedürftigen, besonders Kindern eine Tüte Reis zukommen zu lassen.
Ohne die Idee als solche und die Beteiligten abwerten zu wollen, wurde öfter schon die Frage gestellt, was passiert eigentlich mit dem gespendeten Geld wirklich? Zweifel Die Kontrolle erweist sich oft als schwierig. Zweifel waren mehr als einmal angebracht.

Eine Zeitungsnotiz erweckte heute mein Misstrauen, weil es um ein ähnliches Thema geht, und das betrifft einmal mehr die Katholische Kirche, die in den vergangenen Jahren oft behauptete, knapp bei Kasse zu sein, aus diesem Grunde Kirchen schließt und Seelsorger einspart, ganz wie in einem Wirtschaftsunternehmen der Neuzeit. Diese Notiz berichtet über eine schier unglaubliche Geldverschwendung:
Die Diözese Regensburg leistet sich eine kaum zu fassende Geburtstagsfeier für den Bruder des Papstes Georg Ratzinger. Selbiger wünschte sich eine Geburtstagsfeier in der Sixtinischen Kapelle in Rom, die aus Mitteln der Kirchensteuern und Mieteinnahmen 100.000 (in Worten: einhunderttausend!) € kosten wird. Ein Pappenstiel, oder auf Neudeutsch Peanuts. Dort soll am 15 Januar zu seinem Fünfundachtzigsten die c-moll-Messe von Mozart aufgeführt werden, wozu 90 Regensburger Domspatzen und 37 Musiker eines Barockorchesters eingeflogen werden sollen.
Nachdem diese Geschichte ans Licht kam (Focus berichtete), waren weder Vertreter des Bistums, erst recht ihr berühmter Prälat für eine Stellungnahme erreichbar. Verständlich. Die Katholische Kirche geheimniste schon immer gerne. Zumindest ist dies eine Veranstaltung, die als weniger anrüchig ist als weiland die Orgien der Borgia-Päpste.

Ich weiß, warum ich diesem Verein den Rücken gekehrt hat, in dessen Dunstkreis ich aufwuchs.


(ck 10/08) Gedanken über die Unfehlbarkeit

Die Geschichte lieferte uns nicht viele Größen, die von sich behaupten konnten, unfehlbar zu sein, selbst wenn sie es glaubten, wie beispielsweise:
> die Päpste aller Zeiten, die ihre Unfehlbarkeit zum Dogma erhoben und damit die jungfräuliche Empfängnis Marias erklärten oder Jesus‘ Himmelfahrt und dafür Ablässe abkassierten und gut davon lebten,
> die Kaiser und Könige aller Zeiten wie Nero, der Sonnenkönig, Napoleon, Maria Theresia, Wilhem II und viele mehr, die sich für den Mittelpunkt des Planeten hielten,
> die Gewaltherrscher wie Franco, Hitler, Stalin, Mao,
> die amerikanischen Präsidenten wie Bush, die mit ihren Truppen „friedensstiftend“ den Erdball überziehen, ohne damit Erfolg zu haben, dafür ihr Land in den Ruin treiben,
> die Bänker, die auf Kosten anderer deren Geld verbrennen und sich das Feuer mit horrenden Summen bezahlen lassen,
> die Politiker, die nicht auf ihre Wähler hören, alles besser wissen oder auch meistens eher gar nichts und ihren Job entgegen vor Wahlen ausgesprochenen Versprechungen ausüben,

und auch:
> ein Marcel Reich-Ranicki, der jahrelang den Eindruck erwecken durfte, als Einziger die wahre Kritik an der Literaturszene formulieren zu dürfen,
und nun auch
> die Fernsehgewaltigen, die auf beiden Ohren taub für Kritik sind, und sollte einmal jemand Kritik aussprechen wie Elke Heidenreich sofort eine Kündigung präsentieren, ohne die Gebührenzahler und damit ihre Arbeitgeber zu befragen, aber lieber einen Kerner jeden Tag über irgendetwas dampfplaudern lassen oder gar als Höhepunkt der Niveaulosigkeit einen Harald Schmidt und Waldemar Hartmann.

Ich könnte eine Liste über Seiten füllen, doch wollte ich aus gegebenem Anlass nur Beispiele nennen.

Und nicht zu vergessen:
> ICH natürlich! Und wer das nicht gebührend respektiert, dem kündige ich auch – meine Freundschaft nämlich für alle Zeiten.
(ck 09/08) Endlich: Es weihnachtet wieder ...

Endlich mal eine frohe Botschaft, die zudem dem Anlass entspricht und gerecht wird.
Ich komme gerade vom Einkaufen aus dem von mir bevorzugten Supermarkt (für eine Namensnennung müsste mir in diesem Fall ein horrendes Honorar gezahlt werden), und als Erstes stolpere ich dort über neu errichtete Regale voller Christstollen, Baumkuchen, Spekulatius, Dominosteinen und manch Leckerem und Gewichtansetzendem noch mehr. Ist es schon wieder so weit? fragte ich mich entsetzt, war mir doch bisher noch keine einzige Geschenkidee zu Weihnachten gekommen. Nun denn, es scheint, Weihnachten steht vor der Tür und erfreut mein Leckermaul. Wie lange habe ich danach gelechzt.
Da zudem auch die hübschen Mon Chéri-Päckchen, die mit den Piemont-Kirschen, wieder in den Regalen liegen, die mir den Sommer über zum Wohlbefinden sehr fehlen, ist die Welt für mich endlich wieder in Ordnung, na ja, lebenswerter, naschenswerter. Denn was ist ein Mann schon ohne süß?
Vermisst habe ich aber noch die arschwackelnden Nikoläuse, die beim Anfassen nicht nur wackeln, sondern auch so kunstvoll, wie Amis und Asiaten sich Kunst eben vorstellen, "Jingle Bells" krächzen. Aber die werden sicher nicht mehr lange auf sich warten lassen.

ck 09/08) Tanken in Bayern

Nun weiß ich endlich, warum es in Bayern mehr Brauereien als Tankstellen gibt. In Bayern tanken nicht die Autos, in Bayern tanken die Fahrer! Ministerpräsident Beckstein tat es kund: Nach zwei Maß macht das Autofahren viel mehr Spaß. Ich frage mich allerdings, ob er selbst fährt oder seinen Fahrer vorher abfüllt?
Leider wurde nicht kolportiert, wieviel Promille Blut in seinem Alkohol steckten, als er seine Weisheit von sich gab.
Ich bin mal gespannt, wann eine andere bayerische Eigenheit an die Öffentlichkeit gelangt, über die bisher nur Satiriker spotten. Nämlich, wenn Föhn herrscht, ist alles erlaubt, wie zum Beispiel seine Frau zu erschlagen. Das gibt so viel mildernde Umstände, dass jeder Täter freigesprochen wird. Und ... beim dritten Mal gibt es keine Sicherheitsverwahrung, sondern einen Orden! Wegen förderlicher Entlastung der Rentenkassen.
Übrigens: Hat der Beckstein Glück, dass er noch lebt. Ich glaube, er hat das noch gar nicht realisiert. Wie heute der Presse zu entnehmen ist, ruft seine Frau ihn liebevoll "Bär". Ihr ist wohl gar nicht klar, wie gefährlich das ist. Schließlich hat Vorgänger Stoiber in Bayern die Bären zum Abschuss freigegeben.

(ck 09/08) Angie auf der Suche nach Entsprechungen

Unsere Bundesreisekanzlerin Angie hatte eine Idee! Auf ihren Flügen zu den Kriegsschauplätzen dieser Erde, wo sie des Schlichtens oder was auch immer wegen hindüste, vor allem aber, um dem Regierenmüssen in Deutschland aus dem Weg zu gehen, kam sie ihr die Idee:
"Wir müssen viel selbstbewusster mit unserer Sprache umgehen", vermerkte sie. "Wir brauchen endlich Entsprechungen für die vielen englisch-amerikanischen Begriffe, die täglich benutzt werden."

"Gut gebrüllt, Angie! Brava!", kann ich nur dazu sagen und nicht ohne Spott hinzufügen: "Ist ja auch Schitte, wenn Frau Kanzlerin kein Englisch in der Schule gelernt hat, sondern sich lieber auf Russisch verständigt." Aber die Russen wollen sich zurzeit mit ihr ja gar nicht mehr gerne verständigen, weil sie den bösen Georgiern die Stange oder was hält.
Was also tun? In den Flieger setzen und wieder abhauen. Irgendwo wird schon jemand zum Abknutschen zu finden sein ... oder sie könnte mal wieder die Eisberge Grönlands auf ihr Nochodernichtmehrvorhandensein prüfen.

Diesen Zrätt (eigentlich ein Wort aus dem Amerikanischen (Thread), für das es noch keine Entsprechung gibt; Das Z ist mit spitzer Zunge zwischen Zähnen und Lippen auszusprechen, bitte!) habe ich eingestellt (nicht gepostet!) in das Autorenforum SpruchReif, weil ich ausnahmsweise mit ihr mal einer Meinung bin, weswegen ich sie aber nie und auch nimmer wählen werde.

Apropos Entsprechungen - immerhin Bestandteil unseres Bildungsnotstandes:
Gestern glaubte ich, meinen Augen nicht zu trauen. Da hing doch im Fenster eines Nachhilfeinstituts ein großes Plakat:
Jetzt neu: Englisch-Nachhilfeunterricht für Kindergarten-Kinder!
Und wer lehrt unsere Kinder endlich ihre Muttersprache Deutsch?. Angie etwa?