| (ck 09/2011) Im Zweifel nicht für den Angeklagten Das Land, das für sich die Erfindung der Menschenrechte reklamiert und überall auf dem Erdball mit seinen Soldaten glaubt, verteidigen zu müssen, die USA, tritt sie im eigenen Land mit Füßen. In dieser Nacht wurde einmal mehr ein Mensch per Giftspritze hingerichtet, der vor 21 Jahren einen Polizisten erschossen haben soll. In all der Zwischenzeit haben seine Anwälte versucht, zu den zuständigen Behörden und Gremien klarzumachen, dass Troy Davis Opfer einer Verwechslung geworden ist. Es gab weder Blut- noch DNA-Spuren, die auf ihn hinwiesen, auch wurde nie eine Tatwaffe gefunden. Sieben der neun Zeugen, die 1991 gegen Davis aussagten, haben ihre Aussagen ganz oder teilweise widerrufen. Andere Zeugen, die gar nicht vom Gericht angehört worden waren, sagten aus, ein anderer Mann habe die Tat zugegeben. Aber die Staatsanwaltschaft und selbst der Begnadigungsausschuss wollten offenbar ein Exempel statuieren. In all den Jahren haben Hunderttausende Menschen in der ganzen Welt sich für die Begnadigung von Davis eingesetzt, unter ihnen Jimmy Carter, der Papst, der südafrikanische Erzbischof Tutu und die Europäische Union. Vergebens. In einer Diskussionsrunde im amerikanischen Fernsehen, an der mehrere Gouverneure teilnahmen, brüstete sich der Gouverneur von Texas damit, dass sein Staat die meisten Hinrichtungen vollzieht. Ein merkwürdiges Regierungsprogramm. Dieser Mensch bewirbt sich um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten! Der Name Troy Davis wird mir mein Leben lang im Gedächtnis bleiben. Nach allem, was ich darüber gelesen habe, ist er unschuldig, und seine Hinrichtung ein Justizskandal. Nach deutscher Rechtsauffassung, die ich vollinhaltlich teile, selbst wenn ich auch da gelegentlich Bedenken habe, wäre er freigesprochen worden. Deutschland sollte sich sehr wohl überlegen, ob die USA ein Bündnispartner sind, die politisch und kulturell zu uns passen. Für mich sind sie es mitnichten. |
| (ck 09/2011) Papa Ratzi im Bundestag Nicht ohne Grundverursacht die Einladung an den Papst bei vielen Menschen, natürlich auch Abgeordneten, Missbehagen, eine Rede im Bundestag zu halten. Jeder Staat tut gut daran, Politik und Religion zu trennen. Die Amtskirchen in Deutschland haben eh ein mir unverständliches Privileg, dass der Staat eine Kirchensteuer eintreibt. Das ist wahrlich ansonsten nicht üblich. Was könnte der Papst uns sagen? Er, der in einer völlig anderen Welt lebt.Er, dem, so glaube ich, die Probleme der Menschen in seiner heilen Welt fremd sind. Mit Beten und frommen Sprüchen werden keine Probleme gelöst, sondern mit Taten. 25 Millionen kostet sein Besuch. Damit könnten in Somalia zum Beispiel zig Tausende Menschen vor dem Hungertod bewahrt werden, und in vielen anderen Ländern auch. Ich bin in und mit dieser Kirche groß geworden, aber sie hat mir schon lange nichts mehr zu sagen. Ihre Ideologie befindet sich noch im tiefsten Mittelalter. Der Zölibat und die Missachtung der Frauengleichheit sind schon lange nicht mehr zeitgemäß. Und vieles andere mehr. Auch sollten die Schriften den neuzeitlichen Erkenntnissen angepasst werden. Zu vieles ist in ihnen unglaubwürdig, und die Menschen sind zu aufgeklärt, um alles zu glauben. Nein, dieser Papst, ein Mensch, unmodern wie kaum ein anderer passt nicht in unsere Zeit und hat uns nichts zu sagen. Auf seine Rede können wir verzichten, die Andersgläubigen sowieso. |
| (ck 09/2011) Demokratie Was sich zurzeit in der großen Politik abspielt, ist für einen Wähler kaum noch nachzuvollziehen. Krisen hier, Krisen da. Wirtschaftskrisen, Kriegsschauplätze, und alle reden mit, wissen etwas dazu zu sagen.Ich sage auch etwas, über das merkwürdigerweise in Deutschland viel zu wenig gesprochen wird: Wir haben eine Regierung, die zwar gewählt, aber heute nicht mehr die Repräsentanz der Volksmehrheit darstellt. Eine unglückliche Entscheidung nach der anderen, eine Kanzlerin, die fehl am Platz ist, ein Kabinett, das nicht nach Fähigkeiten, sonders nach Proporz zusammengestellt wurde und ein Juniorpartner, der heute gerade mal 3 % der Wähler hinter sich hat und - wie viele Jahre zuvor - das "Zünglein an der Waage" spielt, in erster Linie durch Erpressung. Das kann nicht Sinn der Demokratie sein, die ich für Deutschland schon lange anzweifle und die sich in eine Lobbykratie übelster Art verwandelt hat. Wenn wieder eine Regierung und ein Bundestag die Interessen der Merhheit vertreten soll, sind schnellstens Neuwahlen vonnöten! Und dann sollten wir eine Regierung erhalten, die weder Afghanistan noch Libyen noch Griechenland zu retten müsste vermeint, sondern die in Deutschland die Probleme der Bildung, der Altersarmut und vieles mehr zu lösen gedenkt. |